Wieso ist das passiert?

Am 24.März 2015 stürzte ein Flugzeug der Airline GermanWings in den französischen Alpen ab. 150 Menschen kamen ums Leben. Bis jetzt kann man noch nichts mit Sicherheit sagen, aber scheint, als hätte der Copilot das Flugzeug absichtlich gegen den Berg gesteuert.

Bei solchen Tragödien kommt eine Frage immer wieder hoch; die Frage nach dem warum. Warum ist das passiert? Wie kann das geschehen? Die Frage, die wir auch als Christen nicht von uns weisen können lautet letzten Endes: Warum lässt Gott so etwas zu? Unsere Freunde und Bekannten stellen vielleicht die Frage, wie denn ein liebender Gott solch ein Desaster zulassen kann. Obwohl ich, trotz dieser Unglücks nicht an der Liebe Gott und seiner Güte zweifle, bestürzt mich dieses Geschehen trotzdem.

Ist Gott wirklich schuld?

Als Reformierte, bekennen wir, dass nichts auf dieser Welt ohne Gottes Wissen oder Willen geschieht. Gott entgeht nichts und er hat alles vor Grundlegung der Welt vorherbestimmt, entsprechend seines Willens (Epheser 1,11). Das scheint die Antwort für uns noch schwieriger zu machen. Man könnte behaupten, Gott wäre deshalb ein grausamer Gott, der je nachdem, wie es ihm gefällt, es manchen Menschen gut gehen lässt und dann im nächsten Moment hunderte von Menschen in den Tod schickt.

Doch das wäre kurz gegriffen. Die Bibel zeigt uns immer wieder, dass Gott seine Schöpfung und seine Geschöpfe liebt. Wir lesen immer wieder, dass Gott sich nicht am Tod, sondern am Leben freut. Jesus vergießt Tränen vor dem Grab Lazarus.

Obwohl Gott alles angeordnet hat, was geschieht, ist er nicht der, den wir beschuldigen können. Im Westminster Bekenntnis bekennen wir, dass Gott dem Willen der Geschöpfe keine Gewalt antut (WB3.1; Apg 2,23). Der Mensch entscheidet sich immer noch. Er trifft Entscheidungen entsprechend seines Willens.

Was ist dann das Problem?

Wenn wir Gott den schwarzen Peter nicht zuschieben können, müssen wir uns fragen, wer denn dann schuld ist. Oder anders gefragt: Was ist dann das Problem? Die einfache Lösung Gott anzuklagen, funktioniert offensichtlich nicht.

Die Antwort begegnet uns auf fast jeder Seite der Bibel. Die Ursache des Problems ist nicht Gott, sondern der Mensch. Das Problem nicht der Schöpfer, sondern die Geschöpfe. Als Jesus, in Johannes 8, mit den Pharisäern diskutiert, macht er eine für uns schockierende Aussage. Er sagt, jeder der sündigt ist ein Knecht der Sünde (Johannes 8,34). Christus führt uns die Realität vor Augen, dass wir Sklaven der Sünde sind. Wir tun, was uns unser Meister sagt.

Obwohl der Mensch seinen Willen hat, tut er nicht unbedingt immer das rational Richtige, das in der Situation Beste, geschweige denn das Gute. Unsere Sündhaftigkeit verleitet uns oft, das Falsche, die Sünde zu tun.

Wir glauben nicht, dass jeder Mensch nur Schlechtes tut, aber wir alle sündigen. Wir alle neigen dazu, das Falsche zu tun. Manche unter uns sind disziplinierter und können ihre Sünde zurückhalten. Als Christen glauben wir auch, dass der Geist mit dem bzw. durch das Wort Gottes uns hilft, weniger zu sündigen. Dennoch bleibt die Wahrheit bestehen. Wir sündigen, weil uns die Sünde dazu treibt.

Das Problem ist also nicht Gott. Wir können ihn für solche Katastrophen, wie in Südfrankreich nicht verantwortlich machen. Ganz im Gegenteil. Nachdem Gott die Schöpfung vollendet hatte, war alles sehr gut, selbst der Mensch. Erst durch den Sündenfall ist der Wille des Menschen unter die Knechtschaft der Sünde gekommen. Das Problem ist also der sündhafte Mensch.

Was ist unsere Reaktion?

Wir können das alles intellektuell verstehen und es gibt uns viel Trost. Doch wie sollte unsere Reaktion auf die Katastrophe aussehen? Sollen wir jetzt mit dem erhobenen Zeigefinger jedem das Gericht und die Hölle predigen, da doch alle Sünder sind? Sollen wir einfach drüber wegwischen, weil es ja schließlich Gottes Wille war? Sollen wir jetzt anfangen, dem Copiloten, obwohl der auch gestorben ist, alle Schuld in die Schuhe schieben?

Die Antwort auf all diese Fragen lautet NEIN. Wir glauben an einen souveränen Gott. Trotzdem können wir Tragödien wie diese nicht ignorieren. Unsere Reaktion sollte Mitleid und tiefe Trauer sein. Keiner kann den Verlust eines geliebten Menschen einfach durch die Souveränität Gottes wegwischen. Es ist ein tiefer Schmerz, der Heilung braucht und das kann lange dauern.

Wir wissen nicht, ob wir Geschwister im Herrn verloren haben, oder ob Geschwister im Herrn dort geliebte Menschen verloren haben. Alles was wir wissen ist, das 150 Menschen ihr Leben verloren haben. Wir sollten die Verwandten und Freunde in unsere Gebete einschließen, denn letztendlich kann nur Gott echten Trost spenden. Wir sollten beten, dass die Kirche dazu in der Lage ist die Trauer aufzufangen. Wir sollten beten, dass sie wahren Trost durch das Evangelium spendet.

Diese Tragödie sollte uns auch daran erinnern, wie unser Auftrag lautet: Als Kirche Jesu Christi das Evangelium zu predigen. Wir müssen die Wahrheit der Schrift zu den Menschen bringen. Es gibt keine andere Lösung für das Problem, es sei denn Menschen erkennen ihre Sündhaftigkeit und finden Erlösung in unserem Herrn Jesus Christus.

Mein Gebet ist, dass sich viele Kirchen durch diese Tragödie wieder dem wahren Trost zuwenden. Mögen sie die billigen psychologisierenden Predigten zur Seite legen und das Evangelium der erlösenden Gnade Gottes predigen.

Letztlich sollte uns dieser Flugzeugabsturz ins Gebet treiben und dazu bringen, dass wir mit Mose und den Erlösten aller Zeiten beten: „Lehre uns unsere Tage richtig zählen, damit wir ein weises Herz erlangen!“ (Psalm 90,12). Unser Leben kann morgen vorbei sein, doch wir sollten das Verlangen haben, unsere letzten Stunden in Weisheit, zur Ehre Gottes zu leben.

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